Permakultur in den Augen der Kinder

Über die Entstehung von Permakultur-Erfahrungsangeboten für Familien in der Schweiz


Permakultur in den Augen der Kinder

(Foto © Barbara Garafoli)

von Barbara Garofoli

Das erste Mal hörte ich 2001 von Permakultur, als ich im Gemüsegarten von Francis Lang im Ökodorf Crystal Waters in Australien weilte. Welches Glück, dass ich sie, die seit über 20 Jahren Permakultur unterrichtete, traf und in vielen gemeinsamen Stunden mit ihr arbeiten und lernen durfte. Ihre Leidenschaft hat mich in meiner Berufswahl geleitet und so habe ich mich zur Permakultur-Designerin weitergebildet und 2006 mein Diplom gemacht. Seit nunmehr zwölf Jahren unterrichte ich und habe in all den Jahren dieser Sensibilisierungsarbeit nur selten Kinder in meinen Kursen erlebt. Ich bin davon überzeugt, dass es wichtiger ist, Kinder in die Bewegung der Permakultur zu integrieren, als nur Erwachsene auszubilden.

Erwachsene können ihr Leben ändern, Kinder werden die Richtung der Zukunft ändern. Wenn wir uns daran erinnern, was Kinder alles wissen, dass sie die Werte und die Ethik des Lebens noch nicht vergessen haben, dann können wir sie darin unterstützen, spielerisch Erfahrungen zu sammeln und ihnen Freiheit für ihr Sein und Tun schenken.

Als Mutter von zwei kleinen Kindern habe ich das Glück, hautnah an ihrer Seite zu lernen. Kinder lehren uns so viel, wenn wir bereit sind, den Wert ihrer Erfahrungen anzuerkennen. Welch ein Glück jeden Tag mit der angeborenen Fähigkeit sich dem Augenblick zu öffnen, zu leben: Mit einem Lidschlag gehen die Dinge vorüber, die Emotionen dauern nur kurz an und verändern sich ständig, es gibt kein Urteil, nur Erfahren und Sein.

Als Menschen haben wir die Tendenz, unmittelbar ein Urteil zu fällen über das, was wir sehen, hören, essen, berühren und ertasten. In meinem Unterricht ist es für mich das höchste Ziel, den Schülern der Permakultur die Bedeutung des wertfreien Beobachtens zu vermitteln. Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich rückzuverbinden mit unserer ersten, natürlichen Art der Beobachtung ohne Beurteilung; unsere Tendenz, Erfahrungen zu bewerten fallen zu lassen.

Und so spreche ich mit den Schülern über Kinder, über die ersten Tage unseres Lebens in dieser dualen Welt. Sobald wir den Bauch unserer Mutter verlassen haben, öffnen wir die Augen und von diesem Augenblick an nehmen wir Informationen aus unserem Umfeld auf. Es ist ein lebenslanges Lernen in Etappen.

Zu Beginn sind wir fest eingeschlossen in die Arme unserer Eltern. Von diesem Fixpunkt aus, der sich in Abhängigkeit vom Standort der Eltern ständig ändert, beobachten wir die Welt und treten mit ihr in Kontakt. Von Fixpunkten aus zu beobachten erweitert unsere Wahrnehmung. Die Peripherie unserer Beobachtung weitet sich, wir können den Ort in seinem Kontext erleben und seine Grenzen und Ressourcen besser einschätzen.

Im Laufe eines Jahres (die Mindestzeit der Beobachtung, die wir unseren Klienten empfehlen, bevor sie Entscheidungen zum Design ihres Geländes fällen, was für ein Zufall!) werden sie eigenständig in ihren Bewegungen, wählen frei wohin sie gehen, was sie beobachten, was sie berühren. Und wenn wir uns während unserer Beobachtungen frei bewegen, konzentrieren wir uns auf Details: Wir wechseln von einer ganzheitlichen Sicht zu einer lokalen, vom Konzeptuellen zum Detail.

In diesem Jahr habe ich einen meiner vielen Träume realisiert: Die Organisation eines Permakultur-Design-Kurses (PDK) für Familien. Wenn sich eine Mutter oder ein Vater in Permakultur ausbilden lassen möchte, dann finde ich diese Veränderung im Leben viel effizienter und produktiver, wenn sie versuchen ihre Zone Null, die Familie, von Anfang an in den Prozess zu integrieren. Jetzt erst ist es möglich, sich weiterzubilden und gleichzeitig die Familie teilhaben zu lassen. Die Eltern folgen dem PDK, während die Kinder Aktivitäten nachgehen, die der Permakultur nahestehen. Der nächste PDK für Familien (in Französisch) findet im Juli 2020 in La Forclaz VD/Schweiz statt.

Masanobu Fukuoka sagte, dass die Natur unsere beste Lehrerin sei. Das ist wahr. Auch wir sind ein Teil der Natur, was Erwachsene oft vergessen, aber die Kinder wissen und leben es. Für sie – und um nicht zu vergessen –, organisiere ich jedes Jahr ab dem Monat Mai Wochenenden in meinem Dorf La Forclaz VD unter dem Motto »Natur und Permakultur«. Ziel ist es, die Kinder darin zu unterstützen experimentell zu lernen. Ihnen die Freiheit zum Sein und Handeln zu lassen, die wunderbare Fülle in unseren Gärten und unserem Leben zu erleben. Dabei stehen Naturentdeckungen, Kooperationsspiele, kreative Ateliers und Momente der Entspannung auf dem Plan, wobei wir auf das Alter, die Zeit und die Bedürfnisse der Kinder achten.

Die ehemalige Schule in La Forclaz wurde entsprechend für die Bedürfnisse von Gruppen umgebaut: Schlafräume, Speisesaal und Schulungsraum, eine professionelle Küche, ein Platz zum Spielen und Möglichkeiten für Aktivitäten im Freien in unmittelbarer Nähe. All dies, um das Erlebnis der Permakultur in einen unvergesslichen Moment für die ganze Familie zu verwandeln.

 


Bereits erschienen im Permakultur Magazin, Ausgabe 2019 für Vereinsmitglieder. Hier kannst du Mitglied werden und dem Permakultur Institut e.V. beitreten. Mehr Informationen zu ihrer Arbeit findest du auf ihrem Blog permaculture-cuoreverde, du kannst der Autorin auch gerne eine E-Mail schreiben: formations@permaculture-cuoreverde.ch (englisch und französisch).

Der Einführungskurs »Obstbäume und Beerensträucher im Selbstversorgersystem« vom 31. Juli bis 02. August 2020 bietet Kinderbetreuung von einem erfahrenem Erzieher an. Weitere Informationen findest du in unserem Kurskalender.

 

 

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