Kompost in der Wurmkiste aufbauen

(Wurmkompost-Serie Teil II)

In dieser Artikel-Serie berichtet uns Judith Henning von ihren Erfahrungen mit Kompostwürmern und Wurmkisten. Heute geht es um das Innenleben einer Wurmkiste und das Füttern und die Pflege ihrer Bewohner.


Eine Handvoll Würmer (und andere Kompostlebewesen) ziehen in die vorbereiteten Starterkisten ein.

Darauf legen wir Küchenabfälle zur ersten Fütterung in der neuen Kiste.

… und decken alles mit feuchten Papierschnipseln zu.

Wir mischen noch den Rest der sandigen Erde unter.

Nachdem wir in Teil I "Wurmkompost - was ist das?" Bekanntschaft mit den einzelnen Lebewesen, die in so einer Kiste hausen, gemacht haben, geht es nun weiter mit dem Aufbau des Innenlebens einer Wurmkiste. Dafür benötigst du außer der Kiste und einer Schüssel mit Wasser:

  • Stroh, trockenes Laub, (genug, um den Kistenboden ca. 5 cm hoch zu bedecken)
  • Pappe (am besten die ganz schlichten braunen Kartons, ungefärbt und ungebleicht, je weniger bedruckt, desto besser, evtl. dranklebende Klebebandreste abziehen, 1-2 mittelgroße Kartons müssten reichen)
  • Zeitungspapier (so wenig bunter Druck wie möglich, kein beschichtetes Hochglanzpapier, 1-2 Tageszeitungen müssten reichen)
  • eine gute Handvoll sandige Erde
  • Küchenabfälle (für den Anfang reichen ca. 500 g - das ist ungefähr ein großer Joghurtbecher voll; was geeignet ist und was nicht, kannst du unter Schritt 5 nachlesen)

Und natürlich die Stars der ganzen Geschichte - die Kompostwürmer. Am besten mit einer Handvoll halbfertigem Kompost, der auch die vielen anderen Bodenlebewesen, die am Rotteprozess beteiligt sind, enthält.

Für die unterste Schicht beginnst du damit, die Pappe in kleine Stücke zu reißen und sie im Wasser einzuweichen, ebenso weichst du das Stroh und/oder die Blätter ein. Wenn alles schön nass ist, drückst du es aus - sodass es noch nass, aber nicht mehr tropfnass ist - und gibst so viel von dem Material in die Kiste, dass die unteren 5 cm damit bedeckt sind. Dazu kannst du schon die Hälfte der Gartenerde geben. Es kann ruhig alles vermischt werden.

Diese Lage ist sozusagen die Wohnschicht für die Würmer, hier sollen sie sich von Anfang an wohlfühlen. Man könnte für diese ganze Schicht auch nur Erde einfüllen, aber so viel davon hat man in der Stadt nicht unbedingt zur Verfügung (im Gegensatz zu Altpapier). Nach und nach werden die Würmer und die anderen Kompostlebewesen diese Schicht zu Humus umsetzen und vor allem die Kompostwürmer lieben die Wellpappe-Schichten der Pappkartons: die kleinen Röhrchen benutzen sie, zur Eiablage und als sichere Kinderstube. Denn in einer Kompostlebensgemeinschaft haben auch Räuber wie Hundertfüßer ihren Platz, denn sie helfen dabei, die Populationen der verschiedenen Lebewesen im Gleichgewicht zu halten.

Jetzt kannst du die Würmer einziehen lassen und dann gibst du auf diese "Wohnschicht" die gesammelten Küchenabfälle und darauf den Rest der Erde und des Sandes. Welche Reste genau sich als Futter für die Kiste eignen, kannst du im nächsten Artikel nachlesen.

Der Sand ist wichtig für die Kiste, da er von den Würmern ebenfalls aufgenommen wird, denn er hilft ihnen bei der Verdauung. Gut für uns ist daran, dass dadurch im Regenwurmkot sogenannte Ton-Humus-Komplexe entstehen: Das ist organische Materie, zu Humus verdaut und verbunden mit winzigen mineralischen Partikeln. Diese Ton-Humus-Komplexe sind besonders wasseraufnahmefähig und bleiben dabei in ihrer Krümelstruktur stabil (verkleben also nicht zu feuchtem Matsch), sodass der Boden viel Feuchtigkeit speichert und trotzdem noch locker bleibt - ideale Wachstumsbedingungen für die Pflanzenwurzeln.

Nun fehlt nur noch die Deckschicht: dafür reißt du das (Zeitungs-)Papier in Streifen, weichst diese ein und drückst sie ebenso wie zuvor die Pappe aus, bevor du sie auflegst. Diese Schicht sollte ruhig einige Zentimeter dick sein, sie soll einerseits Gerüche fernhalten und vor allem die Kompostkiste für Fliegen unattraktiv machen. Je besser die Erde und die Küchenabfälle abgedeckt sind (d.h. eine lückenlose Schicht, nicht zu dünn), desto weniger kommen kleine Fruchtfliegen auf die Idee, die Kompostkiste als Eiablageplatz zu nutzen.

Eine Handvoll Würmer (und andere Kompostlebewesen) ziehen in die vorbereiteten Starterkisten ein Darauf legen wir Küchenabfälle zur ersten Fütterung in der neuen Kiste Mischen noch den Rest der sandigen Erde unter ... ... und decken alles mit feuchten Papierschnipseln zu Eine Plastikkiste mit dicht schließendem Deckel muss Luftlöcher haben, bei einer Holzkiste gehe ich davon aus, dass durch irgendwelche Ritzen genug Luftaustausch stattfindet. Wer sichergehen will, dass keine Fliegen hinein oder andere Tiere hinauskommen, klebt ein Stück Fliegengitter hinter die Luftlöcher.

Außerdem hilft die Abdeckung dabei, die Kiste feucht zu halten. Das ist deshalb so wichtig, weil die Würmer über ihre Haut atmen. Und das können sie nur, wenn sie in einer feuchten Umgebung sind. Das feuchte Klima ist also lebenswichtig für die Kompostkiste - aber zu nass sollte sie auch sollte, wie ein Schwamm, der gut feucht, aber nicht tropfnass ist.

Wie füttere und pflege ich meinen Kistenkompost?

Kompostwürmer ernähren sich von abgestorbenen organischen Resten, genauer gesagt, sie raspeln - da sie keine Zähne haben - die von anderen Kompostorganismen zerkleinerten und von Bakterien aufgeweichten Schichten ab. Geeignete Reste sind:

  • Kartoffel-, Zwiebelschalen und andere rohe Gemüsereste wie Salatstrünke
  • Tee- und Kaffeesatz, Filterpapier und Teebeutel, die nicht aus Plastik sind, können einfach mit in die Kiste - solange sie nicht gesalzen sind, können auch gekochte Reste (z.B. Pellkartoffelschalen) mit in die Kiste
  • zerkleinerte Eierschalen
  • abgeschnittene Fingernägel und Haare (auch Tierhaare)
  • Schnitt- und Topfblumen

Gut ist es, die Reste klein zu reißen oder zu schneiden, aber wenn dir das zu aufwendig ist, macht es auch nicht so viel, es dauert dann nur etwas länger mit dem Kompostieren. Nicht so gut für die Wurmkiste sind:

  • Knoblauchzehen (Schalen gehen aber), Ingwer und
  • Schalen von Zitrusfrüchten, da sie antibakteriell wirken und daher langsam zersetzt werden
  • Brotreste, weil sie schnell schimmeln.

Grundsätzlich können diese Reste auch kompostiert werden, in einem kleinen Kompost, wie es in der Kiste ist, ist es aber nicht empfehlenswert, da sie stark schimmeln oder streng riechen, oder durch ihre antibakteriellen Eigenschaften das Gleichgewicht durcheinander bringen können.

Zur Menge: Man liest häufig, die Würmer würden die Hälfte ihres kollektiven Gewichts am Tag fressen. D.h. eine Kiste mit knapp 1000 Würmern, die ca. 1 kg wiegen, würden 500 g pro Tag, also 3,5 kg in der Woche fressen. Das ist meiner Erfahrung nach etwas hoch angesetzt. 1,5-2kg pro Woche scheint mir für eine normal große Wurmkiste (ca. 40x50x30cm) realistischer zu sein. Und am Anfang lässt du es besser etwas langsamer angehen, fütterst erst einmal kleinere Portionen und beobachtest, wie es läuft. Es dauert 1-2 Wochen, bevor die Grünabfälle soweit aufgeweicht sind, dass für die Würmer das große Fressen losgeht.

Du kannst sammeln, was bei dir in der Küche so anfällt und es einmal in der Woche zur Kiste bringen. Zum Füttern schiebt man die obere Deckschicht weg, legt die frischen Reste obendrauf und deckt sie wieder ab. Man kann sie auch etwas eingraben, dann sieht man auch gleich, ob die Kiste feucht genug ist oder ob sonst alles in Ordnung ist und kann etwas unternehmen, falls es nötig ist. Wer sich die Wurmkompostkiste direkt in die Küche stellt, kann sich das Zwischenlagern in einem Biomülleimer auch sparen und alles direkt in die Kiste entsorgen.

Wenn du mal verreist bist, kommen die Tiere in der Kiste auch gut 2-3 Wochen ohne Fütterung aus. Wasser ist etwas kritischer, aber auch das ist, wenn du vor dem Wegfahren etwas gießt, die Kiste kühl steht und gut abgedeckt ist. Oder du bittest jemanden, 1 x pro Woche zu gießen. Die Wurmkiste ist also auf jeden Fall pflegeleichter als andere Haustiere oder Zimmerpflanzen.

Im nächsten Artikel geht es um das Ernten des Wurmkomposts.

Bereits erschienen in: Kompostieren mit der Wurmkiste - Praktischer Ratgeber zum Kompostieren in der Stadt von Judith Henning.

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