Integrale Permakultur: Innere & äußere Landschaften bewusst gestalten

"Du siehst die Welt nicht so wie sie ist, sondern so wie du bist." Diese alte Weisheit ist ein gern zitierter Satz. Aber was genau bedeutet er und wie lässt sich diese Erkenntnis auf die Permakultur anwenden?


von Janis Billepp

Menschen verschiedener Zeiten und Traditionen sind durch Beobachtung zu dem Verständnis gelangt, dass Innen- und Außenwelt nicht getrennt voneinander sind. Um dem Bedeutungsgehalt dieser Einsicht ein wenig auf den Grund zu gehen, werde ich im Folgenden die Perspektiven zweier Kulturen in groben Zügen darstellen, die ebendiese Wahrnehmung von der Welt haben.

Während meiner Zeit in Südamerika lernte ich die Schamanische Permakultur kennen. Ein Ansatz, der durch die Sichtweise der Ureinwohner Amerikas inspiriert ist. In diesem Teil der Erde sehen die Menschen nativer Kulturen ihre Umwelt als ein Spiegelbild ihrer selbst, als eine Art Projektion ihrer Innenwelt.

Bereits vor meinem Südamerika-Aufenthalt kam ich mit der östlichen Wissenschaft des Yoga in Berührung. Auch hier werden Menschen seit jeher dazu angeregt und angeleitet, sich der eigentlichen Quelle jeder äußeren Manifestation zuzuwenden, welche im Inneren eines jeden selbst liegt. Dabei geht es insbesondere um eine Neuausrichtung der Aufmerksamkeit von außen nach innen.

Janis in SuedamerikaEine teilweise Umkehr des Fokus von der Außenwelt nach innen, ist auch ein wesentliches Merkmal der Integralen Permakultur, wie sie von der Integral Permaculture Academy gelehrt wird. Hier werden sämtliche gestaltungsrelevanten Aspekte - innerliche und äußerliche, individuelle und kollektive - bewusst und aktiv in den Designprozess mit einbezogen.

Einige konkrete Einflussfaktoren für die permakulturelle Gestaltung, welche sich durch diesen ganzheitlichen Ansatz ergeben, sind den vier Quadranten des Schaubilds zu entnehmen. Der eine oder andere wird sich nun vielleicht wundern, weshalb das jetzt Integrale Permakultur heißt, wo doch Permakultur schon von der Definition her eine integrierende Wissenschaftsdisziplin ist. Mag sein, dass die Bezeichnung keine besondere Relevanz hat. Doch womöglich ist die Begrifflichkeit nicht völlig zu vernachlässigen, da 'Permakultur' - zumindest in meiner Erfahrung - von vielen Menschen mit 'alternativem Gärtnern' gleichgesetzt wird, was der Intention eine 'permanente Kultur' zu gestalten in meinen Augen nicht gerecht wird.

Zurück zur Bedeutung der inneren Dimension für den permakulturellen Gestaltungsprozess. Ausgehend von der Annahme, dass die Außenwelt lediglich eine Projektion ist, verdeutlicht folgender Vergleich eventuell die Notwendigkeit eines Richtungswechsels unserer Zuwendung. Die Umwelt entspricht in folgender Metapher einem an eine Wand projezierten Bild. Haben wir den Wunsch unsere Umwelt, also das Bild an der Wand, zu verändern, so müssen wir, ähnlich wie bei einem Overhead-Projektor, eine andere Folie auflegen. Eine tatsächliche Umgestaltung des Bildes wird nicht gelingen, indem wir lediglich versuchen die Projektion an der Wand zu ver ändern.

Angenommen wir wachten morgen früh auf und fänden die Welt als ein Paradies vor, wie lange würde es wohl dauern bis der Mensch den 'Status Quo' wieder hergestellt hätte? Ohne eine Transformation der Individuen in einem System, wird auch ein grundlegender und dauerhafter Wandel des Systems selbst ausbleiben. Wenn wir eine tiefgreifende Veränderung, im Sinne einer wirklichen Neuausrichtung, anstreben, können wir die Innenwelt bzw. die beiden inneren Quadranten hierbei nicht außer Acht lassen.

Diesen Grundsatz der wechselseitigen Bedingtheit von Innen- und Außenwelt sehe ich als so grundlegend an, dass ich vorschlage "Wie innen so außen" als neues Prinzip in die Sammlung von Grundsätzen aufzunehmen.

 

 

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