Gemeinschaftliches Wirken sichtbar machen

Rückblick auf den European Day of Sustainable Communities im September 2018


von Charlotte Freund

Am 22. September 2018 fand zum zweiten Mal der „European Day of Sustainable Communities“, zu Deutsch „Europäischer Tag für nachhaltiges gemeinschaftliches Wirken“, kurz EDaySC2018 oder auch EDSC genannt, statt.

Der EDSC feiert die Anstrengungen und Ergebnisse von tausenden Menschen, die sich in ganz Europa verteilt an ihren Orten gemeinschaftlich für eine gerechtere, nachhaltigere und dekarbonisierte, also CO2-Emissionen-reduzierte, Welt einsetzen. Er dient gleichzeitig dazu Politikern auf lokaler, regionaler bis hin zur europäischen Ebene bewusst zu machen, was alles möglich ist, wenn Bürger und Gemeinschaften an den Prozessen zu Lösungsfindungen beteiligt werden. Dieses Jahr haben 22 Länder aus allen Teilen Europas teilgenommen.

Eine aussagekräftige Übersetzung des Titels EDSC ins Deutsche war gar nicht so einfach, da der englische Begriff „Communities“ wesentlich umfangreicher ist, als das deutsche Wort „Gemeinschaften“ ahnen lässt. Mit der Übersetzung „Europäischer Tag für nachhaltiges gemeinschaftliches Wirken“, die schließlich vom Permakultur Institut (PKI) gewählt wurde, kam der Sinn dann auch im deutschsprachigen Bereich bei Vereinsmitgliedern, Weiterbildungsteilnehmern und auch anderen interessierten Lesern an.

Vielfältig gefeiert in Europa

Es fanden Festivals, Tage der offenen Tür, Führungen, Workshops, gemeinsame Ernteaktionen, Saatguttausch, Filmvorführungen, Gemeinschaftsessen und Konferenzen statt. Auf der Europakarte sind online sämtliche Veranstaltungen mit zusätzlichen Details auch im Nachhinein sichtbar. Hier eine kleine internationale Auswahl:

  • Transition Belgien veranstaltete in Louvain-La-Neuve das ‚Maintenant!‘ citizens’ festival (Jetzt! Bürgerfestival) mit Filmen, Konzerten, Workshops, Debatten und Konferenz mit Fokus darauf den Traum einer besseren Welt zu verwirklichen.

  • „Ökodörfer“ in Irland, Dänemark, Spanien, Slovenien, Schweden und der Schweiz, von denen viele Mitglied des Global Ecovillage Network (GEN) sind, öffneten ihre Türen und zeigten an Beispielen ihre Pionierarbeit zu nachhaltigem Leben.

  • Die Permakulturbewegungen in Spanien und dem Vereinigten Königreich legten ihre jährlichen Treffen auf diesen Tag.

  • In Italien fand in Umbrien eine Führung durch einen Erneuerbare-Energien-Park statt.

  • An den Universitäten von Coruña in Spanien und Lissabon in Portugal haben Studenten, Forscher und Akademiker gemeinsam ihre Arbeit zur Veränderung hin zu Nachhaltigkeit und die Überprüfung dieser überdacht und gefeiert.

  • Auf der Insel Vir in Kroatien haben sich Familien getroffen, um den ersten Gemeinschaftsgarten der Insel zu kreieren.

  • In Luxemburg lud ein ganztägiger Workshop ein, neue Wege des Zusammenlebens zu untersuchen, einschließlich Informationen über bereits existierende Projekte und mögliche kommunale Unterstützungen.

  • In London öffneten in der ganzen Stadt Gemeinschaftsgärten, um Besucher willkommen zu heißen, Freiwillige an Gartenaktivitäten teilhaben zu lassen und die Ernte gemeinsam zu teilen.

  • In Athen, Griechenland waren die Studenten angehalten zu erforschen, wie nachhaltige Gemeinschaft bereits mit nachhaltiger Schule unterstützt werden kann.

  • In Dresden, Berlin und Amsterdam haben jeweils Teams von Designern und Entwickler aus der #GlobalGoalsJam gejamt, um die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung einzufordern.

Vielfältig gefeiert in Deutschland

Auch Deutschland hat mit u.a. den nachfolgenden Veranstaltungen zum Erfolg des Tages beigetragen.

  • In Hamburg fand unter der Leitung von Rico Horn im Luthergarten in Bahrenfeld ein Workshop zum Thema Bodenfruchtbarkeit und Terra Preta statt. Wer Zeit hatte blieb anschließend noch zum gemeinsamen Feiern.

  • In Freiburg bot im Rahmen einer mehrtägigen Veranstaltung ein breites Bündnis von Gruppen und Vereinen einen Workshop zu partizipativer und zukunftsfähiger Entwicklung mit Permakultur-Ansätzen und vielem mehr statt.

  • In Berlin fanden gleich mehrere Veranstaltungen statt. Der Permakulturgarten „Die weiße Rose“ von Karin Schönberger in Berlin-Spandau öffnete seine Pforten für eine Führung mit Vortrag und in Berlin-Mitte gab es mit dem Mitte-Picknick ein äußerst originelle und gut organisierte Form der Aussaat von Nüssen, Wildobst und Wildkräutern.

  • In Mannebach bei Trier wurde unter Leitung des erfahrenen Permakulturdesigners Jonas Gampe mit der Anlage eines Permakultur-Gemeindegartens begonnen.

  • Die CleanTheRuhrTour, eine große Aufräumaktion entlang der Ruhr in Mülheim war eine der ersten Veranstaltungen, die in Deutschland registriert wurden und fand in Zusammenarbeit mit Greenpeace Mülheim/Oberhausen und dem Kreis Jugendwerk der AWO Mülheim statt.

  • Mit Fokus darauf Bäume zurück in die Agrikultur zu bringen fand in Nordbrandenburg eine „Digging-Hole-Party-Pflanzaktion“ statt, welche in Zusammenarbeit von zukunftsFähig e.V. und der deutschen Agroforstkampagne organisiert wurde.

  • In Reichertshofen/Mittelneufnach öffnete der Permakulturhof Eselgarten seine Pforten für einen tierisch schönen Tag der offenen Tür.

Nicht nur die Veranstaltungen allein haben den Erfolg des Tages ausgemacht: Zwei europäische Organisationen sind dieses Jahr Partner von Ecolise für die Ausrichtung des EDSC geworden. Zum einen war dies „Let’s Do It!”, der in Estland beheimatete Organisator des “World Clean-Up Day”, einer globalen Bewegung von Gemeinschaften, die Müll von öffentlichen Geländen aufsammeln und sich zusätzlich für Müllvermeidung einsetzen. Der zweite im Bunde war das „Collectif Pour Une Transition Citoyenne“ welches „La Fête des Possibiles“ organisiert. In diesem zweiwöchigen Festival dreht sich alles um nachhaltiges, gemeinschaftliches Wirken in Frankreich und im französisch sprechenden Teil Belgiens.

Konferenz in Brüssel und online

Im Zusammenhang mit dem ESDC war Ecolise in Brüssel erneut Mitveranstalter einer Konferenz mit dem europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, also dem Repräsentanten der europäischen Zivilgesellschaft. Weitere Veranstalter waren der Ausschuss der Regionen sowie das Transition Netzwerk. Diesjähriges Thema war „Zivilgesellschaft und Kommunen: Aufbau von Nachhaltigkeit durch Zusammenarbeit“. Eine Besonderheit dieser Konferenz ist die von Ecolise gepflegte Kultur des online-Treffens. Diese ermöglichen es, sich emissionsarm, ohne Reise zum Konferenzort, auszutauschen. Die Konferenz wurde als livestream übertragen und online-Zuhörer hatten die Möglichkeit sich in die Diskussion einzubringen.

Persönliche Erfahrungen

Ich selber habe bereits an einer solchen online-Konferenz von Ecolise teilgenommen.

Es war nicht meine erste online-Konferenz, doch ich war begeistert von Struktur und Effizienz dieser Veranstaltung, die trotz der Menge der Teilnehmer, nicht nur inhaltlich zum gestellten Thema eine gute Ernte brachte, sondern gleichzeitig immer noch persönliches Kennenlernen von Einzelnen ermöglichte.

Mir kam bei meiner Tätigkeit für den EDSC immer wieder David Holmgren Prinzip „Nutze Randzonen und schätze das Marginale“ in den Sinn. Mit den Angeboten für Mitarbeit, die sporadisch von der Permakultur-Akademie an die Weiterbildungsteilnehmer gesandt werden, nutzt das Permakultur Institut sehr effektiv eine solche Randzone. Auch Ecolise arbeitet mit diesem Prinzip. Eines der Geheimnisse hinter dem Erfolg dieses Prinzips ist wohl, dass Möglichkeiten oder auch Räume aufgezeigt oder sogar geschaffen werden ohne dabei eine Erwartungshaltung einzunehmen. Es ist eher ein „Mal schauen, was passiert.“. Ein solches Angebot hat mich dazu gebracht dieses Jahr den EDSC für das Institut bekannter zu machen, nachdem eine frühere Bitte um Teilnahme an einer Ecolise-Konferenz bereits mein Interesse geweckt hatte.

Besonders freue ich mich persönlich über den Sondernewsletter des PKI an die Vereinsmitglieder, durch den nicht nur weitere Veranstaltungen an uns herangetragen wurden, sondern dieses Wirken und die tolle Zusammenarbeit auch von Ecolise wahrgenommen wurde. Das PKI wurde in der Folge gebeten offizieller regionaler Partner für Deutschland zu werden, nicht nur für das folgende Jahr, sondern unverzüglich. Auf der Partnerseite zum EDSC hat das Permakultur Institut so, gemeinsam mit România în Tranziția sowie Global Ecovillage Network - UK einen zusätzlichen Außenauftritt erhalten.

Ich danke euch allen ganz herzlich für die freundliche Aufnahme und Unterstützung im Kreis für Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung, für euer Wohlwollen, welches mich so positiv in meinem Wirken unterstützt, und für das, was wir durch unser Engagement geschafft haben. Auch zu beobachten, wie ihr auch bei unterschiedlichen Ansichten, mit Achtsamkeit gemeinsame Entscheidungen findet, war spannend. Die Unterstützung und die positiven Feedbacks, die ich erhielt, sei es in Form von Zuarbeit trotz Krankheit, Übernahme von Instagram-Veröffentlichungen, Fotos von Teilnehmern, strukturgebende Nachfragen und Hinweise, durch die ich meine Selbstverpflichtung immer wieder bestätigen konnte und dadurch besser arbeiten konnte, waren herzerwärmend.

Ich habe eine Menge dazu gelernt.

Die Idee viele lokale, nationale und internationale Veranstaltungen in Europa an einem Tag ganz besonders sichtbar und zugänglich zu machen und dieses Engagement von Tausenden auf allen Ebenen mit dem Wissen „Wir sind viele!“ zu feiern, birgt vielseitige Win-Win-Situationen. Für mich ist es auch Teil von gelebter und wirksamer Nachhaltigkeit.

Der nächste Europäische Tag für nachhaltiges gemeinschaftliches Wirken findet am 21. September 2019 statt. Alle Aktiven sind Eingeladen, ihre Veranstaltungen dieses Tages online zu präsentieren.

https://www.sustainable-communities.net

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